Kurze Zusammenfassung
Das Interview mit Götz Kubitschek behandelt ein breites Spektrum an Themen, von seinem Umgang mit den Medien und der Frage nach rechtsextremer Gewalt bis hin zu seiner Definition von Deutschsein und seinen Ansichten zur Remigration. Er äußert sich zu seiner Beziehung zu Björn Höcke, zur Rolle des Staates und zur aktuellen politischen Lage in Deutschland und Europa.
- Kubitschek sieht eine Verschiebung in der Medienlandschaft, weg von oberflächlicher Denunziation hin zu einer intelligenteren Auseinandersetzung mit rechten Inhalten.
- Er lehnt Gewalt ab und sieht die Identitäre Bewegung als friedliche, provokative Jugendbewegung.
- Kubitschek betont die Bedeutung der Nation und der deutschen Kultur, während er gleichzeitig eine kritische Haltung gegenüber bestimmten Entwicklungen in der Migrationspolitik einnimmt.
Intro & Vorstellung Götz Kubitschek: Umgang mit den Medien [0:00]
Jasmin Kosubek interviewt Götz Kubitschek, einen Verleger und Vordenker der Neuen Rechten. Kubitschek beschreibt, wie sich die Medienberichterstattung über ihn und sein Umfeld in den letzten Jahren verändert hat. Anfangs gab es intelligentere Journalisten, die sich gründlich vorbereiteten und an einer echten Auseinandersetzung interessiert waren. Später folgte eine Phase des "Abklatsch-Journalismus", der von Denunziation geprägt war. Nun beobachtet er eine Rückkehr zu einer intelligenteren Auseinandersetzung mit seinen Inhalten. Er berichtet von einem Vorfall, bei dem ein Antifa-Journalist Teilnehmer seiner Veranstaltungen fotografierte und durch Fenster filmte, woraufhin er diesen zur Rede stellte.
Gibt es rechtsextreme Gewalt? Kubitschek über Gewalt und die Identitäre Bewegung [13:10]
Kubitschek äußert sich zur Frage rechtsextremer Gewalt und gibt an, diese in seinem Umfeld nicht zu kennen. Er betont, dass die Gewalt bei Pegida-Demonstrationen von außen kam und nicht von den Teilnehmern ausging. Die Identitäre Bewegung sei eine friedliche, kreative und provokative Jugendbewegung, die Gewaltfreiheit in ihren Statuten verankert habe. Er selbst lehnt Gewalt ab und hält sie für ein antiquiertes Mittel der Politik. Veränderungen in der Gesellschaft seien nur durch mühevolle Kleinarbeit im politischen Betrieb erreichbar.
"Ab wann ist es Ihnen zu rechts?" – Grenzen des Konservatismus [18:45]
Kubitschek erklärt, dass ihn radikalrechte Phänomene wenig interessieren, da sie politisch irrelevant seien. Er sieht solche Gruppierungen eher als Karikatur und bedauert, dass junge Menschen dort ihre Zeit verschwenden. Er betont, dass die Identitäre Bewegung (IB) eine Heimat für Menschen aus dem altrechten Milieu bieten könne, um sie zu erziehen und in die "Neurechte" zu integrieren. Er verteidigt die Veröffentlichung von Büchern von verurteilten Straftätern wie Mario Müller, da jeder eine zweite Chance verdiene. Im Fall von Kurt Het, der wegen Rechtsterrorismus im Gefängnis sitzt, hält er den Prozess für einen Skandal und veröffentlicht dessen Gefängnistagebuch, um auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen.
Können Worte zu Gewalt führen? Verantwortung und Verfassungsschutz [31:10]
Kubitschek betont die Verantwortung, die mit seinen Worten einhergeht, und wie gründlich er überlegt, was er veröffentlicht. Er kritisiert den Verfassungsschutz für dessen Einschätzung, seine Arbeit ziele auf die Ausgrenzung vermeintlich Fremder ab und bereite den Boden für unfriedliche Verhaltensweisen. Er fragt, ob es ein Problem sei, Fremde als solche zu bezeichnen, und betont den Unterschied zwischen einer Urlaubsreise und der Überfremdung der eigenen Heimat.
Was ist fremd? Migration, Assimilation und die Grenzen der Aufnahme [36:00]
Kubitschek beschreibt seine Vision eines deutschen Stadtbildes, in dem Deutsche die überwiegende Mehrheit bilden und das Fremde entweder auf dem Weg ist, deutsch zu werden, oder als kleine Inseln existiert. Er betont, dass das deutsche Volk weiterhin mit absoluter Mehrheit über die eigene Zukunft bestimmen müsse. Er kritisiert, dass Gruppen, die ihre Heimat verlassen und in Deutschland Schutz suchen, das Land in eine Art zweites Syrien oder Afghanistan verwandeln. Er lehnt eine Assimilation in der aktuellen Größenordnung ab und betont, dass er Ausländer nicht in dieser Anzahl, mit dieser Fremdheit, Religionsinkompatibilität, Arroganz und kriminellem Potenzial in Deutschland haben wolle.
"Ich esse keinen Döner" – Deutschsein im Alltag [41:40]
Kubitschek erklärt, dass er keinen Döner isst, da er dies als Kulturbruch empfindet. Er bevorzuge deutsche Gerichte wie Thüringer Bratwurst oder Bockwurst. Er räumt ein, dass es in seinem Umfeld Leute gibt, die gerne Döner essen, aber er selbst sei in manchem konsequent.
Remigration: Der Streit mit Maximilian Krah und die Verfassungsfrage [44:00]
Kubitschek äußert sich zum Thema Remigration und zum Streit mit Maximilian Krah, dessen letztes Buch er nicht mehr verlegen wollte. Er betont, dass das Grundgesetz keine Verfassung sei, sondern nur bis zur Unkenntlichkeit verborgen. Er definiert Deutschsein als Abstammungsgemeinschaft, Verpflanzungsgemeinschaft und Schicksalsgemeinschaft. Deutscher sei, wer deutsche Vorfahren habe und wer sich auf Gedeih und Verderb auf die Seite des deutschen Volkes schlage.
Wer ist Deutscher? Abstammung, Loyalität und der Kriegstest [47:35]
Kubitschek erläutert seine Definition von Deutschsein anhand des Films "Die durch die Hölle gehen", in dem russische Einwanderer in den USA ihre Loyalität beweisen, indem sie freiwillig in den Vietnamkrieg ziehen. Er fragt, ob ein eingebürgerter Afghane in Deutschland gegen seine eigenen Landsleute vorgehen würde, die Verbrechen begehen. Er unterstellt, dass der Staat dies von Eingebürgerten erwarten müsse. Er berichtet von Deutschen, die im Ausland leben und bei Krankheit oder Notfällen sofort nach Deutschland zurückkehren, um die deutsche Gesundheitsversorgung und die geordnete Gesellschaft in Anspruch zu nehmen.
Wehrpflicht und Staatsanspruch – "Der Staat darf über unsere Lebenszeit verfügen" [53:00]
Kubitschek äußert sich zur Wehrpflicht und betont, dass der Staat Anspruch auf die Kraft jedes Einzelnen habe, um das Gemeinwesen und die Integrität der Nation zu bewahren. Er ist der Meinung, dass der Staat jeden jungen Menschen für 12 Monate zu einem Dienst verpflichten darf, sei es beim Militär oder im Ersatzdienst. Er würde seinem Sohn empfehlen, die Wehrpflicht zu absolvieren, aber im Falle eines falschen Krieges den Gehorsam zu verweigern.
Corona, Gehorsam und "libertär aus Notwehr" [58:30]
Kubitschek erklärt, dass er normalerweise ein Etatist sei, aber während der Corona-Pandemie ein "libertäres Verhalten aus Notwehr" an den Tag gelegt habe. Er kritisiert, dass der Staat auf verlogener Faktenbasis Dinge verlangt habe, die tatsächlich ins Leben eingreifen. Er sieht in der Ukraine-Russland-Frage einen ähnlichen Fall von Propagandapolitik. Er würde seinem Sohn im Falle eines ungerechten Krieges empfehlen, den Gehorsam zu verweigern, aber erst nachdem er die Institution kennengelernt hat.
Warum Kubitschek Etatist bleibt – trotz allem [1:04:40]
Kubitschek betont, dass er trotz allem Etatist bleibe und nicht auf Staatspolitik verzichten wolle. Er will einen besseren, schlankeren Staat mit einer anderen Staatsquote, der sich auf Notwendiges konzentriert und Staatspolitik statt Parteipolitik betreibt. Er betont den Schutzschirm, den der Staat über das ganze Volk ausbreiten kann, und dass ihm auch der weniger begabte Mensch wichtig sei.
Die Beziehung zu Björn Höcke: 20 Jahre Gespräche, Wanderungen, Weltanschauung [1:07:20]
Kubitschek beschreibt seine Beziehung zu Björn Höcke, die von tiefer Liebe zur Nation, zum Volk und zur Kultur geprägt sei. Sie hätten viele Gespräche geführt und diskutiert, auch über die Frage, was man innerhalb der CDU tun könne. Als die AfD gegründet wurde, sei Höcke sehr früh in Thüringen eingetreten und habe schnell ein wesentliches Amt bekommen. Kubitschek betont, dass es in der Weltanschauung keine Unterschiede gebe und dass ihre Gespräche immer grundsätzlich und langfristig seien.
Höckes "afrikanischer Ausbreitungstyp" – Nuancen und Kritik [1:14:10]
Kubitschek äußert sich zu Höckes Rede über den "lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp" und erklärt, dass er es anders ausgedrückt hätte. Er hätte die biologische Komponente nicht auf Menschen übertragen, sondern auf die demografische Entwicklung in Afrika hingewiesen. Er betont, dass er und Höcke sich gegenseitig mitteilen, was sie gelesen haben, worüber sie nachgedacht haben und wie sich der oder jener entwickelt hat.
Buchmessen, Ausgrenzung und der Kampf um rechte Räume [1:19:45]
Kubitschek berichtet von seinen Erfahrungen auf Buchmessen, wo er und sein Verlag ausgegrenzt wurden. Er betont, wie wichtig es sei, eigene Räume zu erkämpfen und ein metapolitisches Vorfeld vor der AfD zu schaffen. Er will eine eigene Buchmesse, Veranstaltungen, Sommerfeste, Winterkongresse, Akademien, ein Verlenetzwerk und ein Buchhandelnetzwerk aufbauen.
Braucht es einen rechten NGO-Komplex? [1:29:35]
Kubitschek bejaht die Frage nach einem rechten NGO-Komplex und erklärt, dass es rechte Strukturen überall brauche. Er selbst sei kein NGO-Typ und wolle nie vom Staat gepampert werden, aber es werde so kommen, dass dort irgendwann Staatsmittel reinfließen.
Die große Frage: Was ist die Lebenslüge der Rechten? [1:30:30]
Kubitschek verneint, dass es eine Lebenslüge der Rechten gebe, da die Rechte keine Utopien habe, sondern sehr realistisch und konkret sei. Er zitiert Armin Moler, der gesagt habe, dass diese fehlende Utopie oder Theorieschwäche der Rechten zugleich ein Segen und ein Problem sei. Ein Segen sei es, weil kein Rechter den Menschen vergewaltigen wolle, ein Problem, weil sie ins Stottern kommen, wenn sie jemandem erzählen sollen, wie die Welt funktioniert. Er betont, dass der Konservative oder Rechte immer aufräumen müsse, was die Utopie angerichtet hat.
Zuschauerfragen: Wehrpflicht, Deutschsein, Buchempfehlungen [1:39:20]
Kubitschek beantwortet Zuschauerfragen zur Wehrpflicht, zur Definition von Deutschsein und gibt Buchempfehlungen. Er empfiehlt Homer, Grimmelshausen und Jochen Klepper. Er äußert sich positiv zur Politik von Trump und wünscht sich einen deutschen Politiker, der einen dezidiert deutschen Standpunkt einnimmt und ihn mit aller Macht durchsetzt. Er definiert Deutschsein als eine Sache, die man um ihrer selbst willen betreibt.