»Rechte Selbstoptimierung ist Selbstdisziplin« – Martin Sellner appelliert auf der Winterakademie 26

»Rechte Selbstoptimierung ist Selbstdisziplin« – Martin Sellner appelliert auf der Winterakademie 26

Kurze Zusammenfassung

Der Vortrag untersucht den Trend der Selbstoptimierung, insbesondere im rechten Spektrum, und stellt ihn der liberalen Selbstoptimierung gegenüber. Er analysiert die Ursprünge, Ideologien und potenziellen Gefahren dieser Bewegung und betont die Notwendigkeit, Selbstdisziplin mit höheren Werten und Zielen zu verbinden, um einen tieferen Sinn und eine Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft zu entwickeln.

  • Ursprünge und Ideologien der Selbstoptimierung
  • Unterschiede zwischen liberaler und rechter Selbstdisziplinierung
  • Gefahren der Selbstoptimierung und Notwendigkeit höherer Werte

Einleitung: Selbstoptimierung als neue Religion [0:06]

Der Vortrag beginnt mit der Beschreibung von Brian Johnson, einem Tech-Milliardär, der jährlich 2 Millionen Dollar ausgibt, um sein biologisches Alter zu verjüngen. Johnson wird als Prophet einer neuen Religion namens Longevity und Quantified Self dargestellt, die eine schonungslose Selbstoptimierung betreibt. Der Redner stellt die Frage, wie wir in diese Entwicklung geraten sind und wie sie sich im rechten Lager manifestiert, und bezeichnet dies als "Lebensreform 2.0".

Ursprünge der liberalen Selbstoptimierung [2:31]

Es wird auf die historischen Wurzeln der Selbstoptimierung eingegangen, beginnend mit Aristoteles und Galen, die bereits die Notwendigkeit der Selbstdisziplinierung des Menschen betonten. Ein entscheidender Unterschied zu früheren Idealen der Selbstveredelung besteht jedoch in Maß und Form. Während frühere Gesellschaften eine in eine Ordnung eingebettete Selbstdisziplinierung kannten, ist die moderne Selbstoptimierung, inspiriert vom amerikanischen Neoliberalismus, eine grenzenlose Steigerung. Anja Röcke definiert Selbstoptimierung als systematische Arbeit an den eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, wobei dieser Prozess prinzipiell kein Ende hat.

New Thought Bewegung und Taylorismus [4:57]

Die liberale Selbstoptimierung geht auf die New Thought Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts in den USA zurück. Frederick Taylor revolutionierte die Arbeitsoptimierung durch die Zerlegung der Arbeit in kleinste Prozesse (SOPs). Dale Carnegie und Napoleon Hill übertrugen diese Ideen auf soziale Bereiche und popularisierten positives Denken und die Perfektionierung des eigenen Lebens. Diese Entwicklung wird mit dem Kalvinismus und der ständigen Selbstprüfung verglichen.

Auswirkungen und Kritik der liberalen Selbstoptimierung [6:33]

Die heutige Selbstoptimierung ist durch moderne Technik extrem geworden und wird mit dem Mythos des Sisyphus verglichen, der eine ständige, sinnlose Arbeit verrichtet. In der Nachkriegszeit gab es eine kurze Unterbrechung durch die Hippiebewegung, die jedoch rasch in den Geist des Silicon Valley einmündete. Es entstand die Ära der Yuppies, die im Film "American Psycho" dargestellt wird, und eine Explosion der Coaching-Literatur. Mit dem Aufkommen des Smartphones entstand die Quantified Self Bewegung, die die ständige Steigerung der Leistungsfähigkeit visualisiert.

Die Schattenseiten der liberalen Selbstoptimierung [11:50]

Die liberale Selbstoptimierung führt zu maximaler Produktivität, aber auch zu chronischer Müdigkeit, wie von Byung-Chul Han beschrieben. Auch die Freizeit wird dem Diktat der Effizienz unterworfen, was zu einer hektischen Betriebsamkeit zwischen Exzess und Betäubung führt. Es gibt keine Grenzen für Reichtum oder Erfolg, was zu einem totalen Hedonismus führt. Kritiker im marxistischen Lager sehen darin einen Ausdruck des entfesselten Kapitalismus und fordern ein Recht auf Faulheit und Leistungsverweigerung.

Lebensreformbewegung als dritter Weg [14:51]

Als Alternative wird die Lebensreformbewegung des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland betrachtet, die sich durch Ernährung, Körperübungen und eine komplette Veränderung des Lebens auszeichnete. Im Gegensatz zur liberalen Selbstoptimierung war diese Bewegung stark an ein Gesellschaftsideal und eine moralische und politische Kritik gebunden.

Lebensreform 2.0 im rechten Lager [17:07]

Im rechten Lager erlebt die Lebensreform eine Renaissance im digitalen Raum, wobei Elemente der liberalen Selbstverbesserung aufgenommen werden. Im Gegensatz zur linken Selbstfürsorge predigt diese Gegenkultur Selbstdisziplin und Härte. Figuren wie Bronze Age Pervert (Costin Alamario) beeinflussen diese Welle mit ihrem Buch "Bronze Age Mindset", das Ästhetik, Stärke und Gefährlichkeit betont. Auch Jordan Peterson und andere Influencer verstärken diese Ansätze.

Schnittmengen und Unterschiede [21:43]

Es gibt eine Schnittmenge zwischen rechter Selbstdisziplin und liberaler Selbstoptimierung, insbesondere im Bereich Sport, Krypto und Business. Der gemeinsame Nenner ist der Antiegalitarismus, die Ablehnung der Gleichheitsideologie und die Verachtung der Faulheit. Unternehmer wie Peter Thiel und Elon Musk tendieren aus diesem Grund nach rechts. Ein entscheidender Unterschied besteht jedoch darin, dass die rechte Selbstdisziplinierung eine Gegenkultur ist, die eine Überwindung des Systems anstrebt.

Gefahren und Ausrichtung der rechten Selbstdisziplin [25:11]

Auch hier lauern Fallstricke wie Endpolitisierung und Burnout. Die Übernahme amerikanischer Trends kann zu Hass und Frauenfeindlichkeit führen. Um diese Gefahren zu vermeiden, muss die rechte Lebensreform Askese, Disziplin und Maxing auf ein klares Ziel ausrichten. Günther Maschke warnt vor zielloser Askese und blindem Vitalismus, die zu Erschöpfung und Zynismus führen können.

Die transzendente Achse der Werte [29:23]

Die entscheidende Frage ist, wozu die horizontale Achse des Maxings dient. Wenn sie nur materialistisch und hedonistisch ist, bleibt man im Bannkreis der liberalen Selbstoptimierung. Die rechte Selbstdisziplin hingegen verkörpert einen Typus und folgt einer Disziplin um ihrer selbst willen. Leistung und Erfolg sind nicht das Ziel, sondern ein Werkzeug zur Charakterbildung. Es wird eine transzendente Achse der Werte eingeführt, die über Materialismus und Hedonismus hinausgeht.

Aura und Pluralismus der Pflichten [32:36]

Es wird betont, dass Frauen sich nicht nur nach gutem Aussehen und Reichtum sehnen, sondern nach Aura und Ausstrahlung, die man nicht antrainieren kann. Aura gewinnt man, indem man gefährliche Dinge tut und authentisch lebt. Die rechte Selbstdisziplinierung durchkreuzt die hedonistische Achse durch einen Wert an sich, eine Pflicht an sich und ein Ideal an sich. Es wird der Pluralismus der Pflichten und Werte betont, wobei die Pflicht eines Arbeiters eine andere ist als die eines Kriegers.

Verantwortung und Fazit [37:18]

Wer durch Disziplin und Leistung aus der Masse hervorsticht, hat Anspruch auf Prestige und Respekt, aber auch auf Verantwortung für die Gemeinschaft. Die liberale Selbstoptimierung hat dagegen eine egozentrische Ausrichtung. Die Idee dieser Achse hängt an der Frage nach dem Wozu. Man erträgt Schmerz, wenn man ein klares Wozu hat, das über Hedonismus hinausgeht. Der Redner ermutigt dazu, dieses Wozu zu ergründen und sich mit einer Umgebung zu umgeben, die dieses Wozu stärkt. Als Vorschlag wird genannt, zum besten Vertreter der eigenen Erblinie zu werden, um die Vorfahren und das Volk stolz zu machen. Abschließend wird Rilke zitiert: "Du sollst dein Leben ändern."

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Date: 2/2/2026 Source: www.youtube.com
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